Ein Wort prägte die Reden der Ehrengäste zum 125. Jubiläum des SPD-Ortsvereins Kelsterbach besonders: Haltung. Landrat Thomas Will formulierte es treffend: „Heute feiern wir keinen Termin im Kalender, wir feiern eine Haltung.“ Eine Haltung für Demokratie, soziale Gerechtigkeit, Fortschritt und Entwicklung. Der Historiker Hartmut Blaum berichtete in seinem Beitrag, dass die SPD immer wieder Verantwortung übernommen hat – insbesondere in kritischen Zeiten, wie nach den beiden Weltkriegen. So übernahm zum Beispiel Wendlin Scherer, erster Bürgermeister Kelsterbachs nach dem Zweiten Weltkrieg, als Sozialdemokrat im Widerstand gegen das NS-Regime klare Haltung, wurde dafür inhaftiert und trug anschließend Verantwortung. Er musste für das damals 6.000 Einwohner zählende Kelsterbach, eine durch den Krieg teilweise zerstörte Stadt, Wohnraum, Lebensmittel und Brennholz organisieren und obendrein bis zu 2.300 Geflüchtete aus den Ostgebieten versorgen.
Thomas Will berichtete vom „gallischen Dorf“ Kelsterbach, das sich in den 1970er Jahren unter Führung von Fritz Treutel erfolgreich gegen die Eingemeindung durch Frankfurt widersetzt hat. Grußworte gab es via Video von der Parteispitze; Lars Klingbeil bedankte sich für das Engagement vor Ort, insbesondere, da die Politik aus Berlin oft nicht für Rückenwind sorgen kann.
Kaweh Mansoori, stellvertretender Ministerpräsident, betonte in seiner Rede, dass es Mut erfordert, Verantwortung zu übernehmen, und dass man nicht vorschnell Menschen wegen falscher Entscheidungen verurteilen sollte. Denn sonst, so Mansoori, würde niemand mehr Entscheidungen treffen – dabei sind diese wichtig, um das Land voranzubringen. Landtagsabgeordnete Kerstin Geis hob hervor, dass die SPD in Kelsterbach vor allem deshalb so erfolgreich geworden ist, weil sie nah an den Menschen ist. Gratulanten kamen auch von der Union. Stadtverordnetenvorsteher Frank Wiegand schloss den Kreis, attestierte der SPD Haltung und verwies auf den fortwährenden Wandel, der immer wieder notwendig ist. Das, so kann man resümieren, hat der SPD-Ortsverein in über 125 Jahren immer wieder bewiesen.
Nach den Redebeiträgen widmete man sich den Menschen, die den Ortsverein letztlich ausmachen. Beispielhaft für alle Mitglieder wurden die Jubilare geehrt. Unter anderem der ehemalige Bürgermeister Erhard Engisch für 60 Jahre Mitgliedschaft – damit steht er für fast die Hälfte der 125 Jahre und hat Kelsterbach in seiner aktiven Zeit maßgeblich vorangebracht. Weitere Jubilare sind Karl-Heinz Fuchs (60 Jahre), Hans-Peter Hamann (50 Jahre), Eike Schütte (40 Jahre), Katja Ehrlich, Johanna Klauß und Rüdiger Pfennig (je 25 Jahre). Außerdem wurde Ursula Will für ihre langjährige ehrenamtliche Tätigkeit bei der Tafel geehrt. Für das Engagement aller Ortsvereinsmitglieder dankte der Ortsvereinsvorsitzende Manfred Ockel herzlich.
Für einen gelungenen Vormittag sorgten neben den Redebeiträgen die Big Band KelsterGroove, die charmante Moderation von Thorsten Schreiner sowie das anschließende Beisammensein mit Fingerfood, bei dem interessante Gespräche entstanden. Zusätzlichen Gesprächsstoff boten auch die historischen Plakate, durch die man in die Vergangenheit blicken konnte, sowie die Jubiläumschronik „125 Jahre SPD Kelsterbach“. Diese beleuchtet die Geschichte des Ortsvereins, zeigt Aktionen, Arbeitsgruppen und Bilder und wirft einen Blick auf alle politischen Akteure der Vergangenheit. Wir haben noch einige Exemplare auf Lager, die wir – solange der Vorrat reicht – gerne Interessenten aus Kelsterbach zukommen lassen. Bei Interesse bitte einfach an mustafa.guelgel@spd-kelsterbach.de schreiben.





















