SPD wählt Will auf Platz eins für die Kreistagswahl am 6. März

Das Programm zur Wahl am 6. März steht bereits seit September. Und so war die Aufstellung der Liste für die Zusammensetzung des künftigen Kreistags aus SPD-Sicht eine – vom Auszählen der Stimmen abgesehen – schnelle Angelegenheit. Viel mehr als eine inhaltliche Diskussion spielte beim Unterbezirksparteitag in Crumstadt noch einmal der Wahlerfolg von Thomas Will bei der zurückliegenden Landratswahl eine zentrale Rolle, ebenso wie die noch ausstehende Stichwahl zur Besetzung des Bürgermeisteramts in Ginsheim-Gustavsburg.

Von 85 anwesenden Delegierten gaben am Ende 81 einen gültigen Stimmzettel ab. 76 von ihnen votierten für Thomas Will an der Spitze der Kreistagsliste. Ihm folgten die Bischofsheimer Bürgermeisterin Ulrike Steinbach (72 Ja-Stimmen), der Bundestagsabgeordnete Gerold Reichenbach (69), Rita Schmiele (72), der Biebesheimer Bürgermeister Thomas Schell (74), die Landtagsabgeordnete Kerstin Geis (72), der scheidende Ginsheim-Gustavsburger Bürgermeister Richard von Neumann (77), Inge Auer (71), Kelsterbachs Bürgermeister Manfred Ockel (73) und Dilek Kanko (68).

Aktuell stellt die SPD 26 der 71 Abgeordneten

Auf den Plätzen elf bis 25 der 86 Personen umfassenden Liste reihen sich ein: Nils Kraft (70 Ja-Stimmen), Renate Meixner-Römer (69), Heinz-Peter Becker (75), Henrike Blaum (67), Jan Deboy (69), Caroline Will (71), Gerald Kummer (67), Laura Altmayer (71), Bernhard Brehl (69), Susanne Redlin (73), Horst Gölzenleuchter (74), Brigitte Freitag (71), Thomas Bender (69), Evangelina Ntasiopoulou (71) und Reiner Kiesel (71). In der laufenden Wahlperiode stellt die SPD 26 der 71 Kreistagsabgeordneten.

Der gerade wiedergewählte Landrat Thomas Will, gleichzeitig Vorsitzender des Unterbezirks, nutzte die Gelegenheit kurz vor der Listenaufstellung für einen Rückblick. Vor zwei Wochen seien die Anhänger der SPD noch im Wahlkampf durch den Landkreis gefahren. „Nach einem Samstag in Crumstadt hatte ich für mich persönlich ein gutes Gefühl, dass die Wahl eigentlich für uns gutgehen müsste.“ Das Gefühl habe nicht getrogen, auch wenn er nicht zu träumen gewagt habe, dass am Ende 64 Prozent der Stimmen auf ihn entfallen würden. „Aber dass wir jenseits der 50 landen, da war ich mir schon relativ sicher.“

Verantwortlich machte Will – das ist bei Veranstaltungen vor eigener Anhängerschaft parteiübergreifend gelebte Praxis – weniger seine eigenen Verdienste, sondern die Arbeit aller Sozialdemokraten. „Wir haben eine Bestätigung erhalten, dass wir den Kreis in den vergangenen Jahren aktiv gestaltet haben.“ Damit bezog er sich vor allem auf die Bildungspolitik, den Bau neuer und die Sanierung alter Schulen. Im Kreis Groß-Gerau gebe es eine inhaltlich orientierte Schulentwicklung und „ein soziales Netz, das sich sehen lassen kann“.

Gleichzeitig existiere die derzeit alles beherrschende Frage: „Wie gehen wir mit den Flüchtlingen um?“ Weil die Sozialdemokraten diese Frage aktiv angingen „und weil wir an Ort und Stelle Antworten wissen und nicht nur nach Wiesbaden und Berlin schauen“, habe der Bürger das Gefühl, im Kreis Groß-Gerau gut aufgehoben zu sein. Hier gebe es „Kommunalpolitiker, die wissen, wovon sie reden und die anpacken, wenn angepackt werden muss“.

Wahlbeteiligung bereitet große Sorgen

Doch 64 Prozent der Stimmen seien nicht nur ein guter Rückenwind, sondern auch eine Zahl, an der die SPD nun gemessen werde. Damit wolle er nicht sagen, dass die Sozialdemokraten eine vergleichbar hohe Zustimmung bei der Kommunalwahl im März erhalten könnten. Er forderte aber alle Anhänger auf, ihren Kandidaten Thorsten Siehr im Wahlkampf für die Stichwahl um das Bürgermeisteramt am 20. Dezember in Ginsheim-Gustavsburg zu unterstützen. Bei allem Lobgesang auf die jüngsten Erfolge gab es allerdings vom Genossen Klaus Müller aus Mörfelden-Walldorf auch sehr kritische Töne zur Beteiligung an der Landratswahl. „Wir sollten uns doch darüber im Klaren sein, dass die Wahlbeteiligung eine Katastrophe ist“, sagte Müller. 76 Prozent der Wähler konnten nicht mobilisiert werden. „Wer sind die 76 Prozent, die nicht hingehen? Vielleicht erreichen wir die Jüngeren nicht mehr.“

Nach diesem Einwand griff auch Will das Thema noch einmal auf. Die Wahlbeteiligung lasse in der Tat nicht nur zu wünschen übrig, sondern müsse Sorge machen. „Das Sich-Herausziehen bei Wahlen kann auch ein Herausziehen sein aus den demokratischen Strukturen unseres Landes.“

Artikel: Sebastian Philipp

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